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12. Februar 2026

Reverse Matruschka — Wachstum von innen nach außen

Was Wachstum wirklich heißt, wenn man es ernst nimmt. Warum ich meine Coaching-Methode nicht von außen, sondern vom Kern aus denke.

Eine Matruschka, das russische Holzpüppchen-Set, das man ineinander stapelt, ist ein hübsches Souvenir. Aber sie ist auch eine ziemlich präzise Metapher dafür, wie die meisten Menschen über persönliches Wachstum denken — und warum es so oft nicht funktioniert.

Die klassische Logik: Du fängst groß an. Außen ist die Hülle. Du machst sie auf und findest darunter die nächste, kleinere Schale. Und darunter die nächste. Bis du irgendwann beim Kern bist — der kleinen, harten Wahrheit über dich selbst. Das ist das Bild, mit dem die meisten Coaches arbeiten: Erkenntnis durch Abtragen. Schale für Schale wird abgeschält, bis das echte Du übrigbleibt.

Ich glaube nicht, dass das Wachstum ist. Das ist Reduktion.

Wachstum bedeutet das Gegenteil

Wenn ich mit Menschen arbeite, ist meine Frage nie: Was musst du abtragen, um zu dir zu kommen? Meine Frage ist: Was ist dein Kern — und welche nächste Schale wächst aus ihm heraus?

Das ist Reverse Matruschka. Du fängst nicht außen an. Du fängst innen an. Du bleibst deinem Kern treu. Was du bist, was du erlebt hast, was dich ausmacht — das ist nicht das Problem. Es ist die Substanz, aus der die nächste Schale wächst.

Wachstum heißt nicht: ich werde jemand anderes. Wachstum heißt: aus dem, was ich bin, entsteht eine größere Version von mir. Mit mehr Reichweite, mehr Tiefe, mehr Möglichkeiten. Aber der Kern bleibt.

Warum das im Coaching einen Unterschied macht

Die meisten Klienten kommen zu mir mit dem Gefühl, sie müssten sich irgendwie verändern, anders werden, sich neu erfinden. Eine bessere Führungskraft. Klarer kommunizieren. Selbstbewusster auftreten. Mit Druck besser umgehen.

Das alles sind legitime Ziele. Aber die Frage ist: erreichst du sie, indem du etwas Neues lernst und das alte Du dahinter zurücklässt? Oder erreichst du sie, indem du dein altes Du als Material nimmst und daraus die nächste Version baust?

Meine Erfahrung: Letzteres trägt weiter. Veränderung, die deinen Kern verleugnet, hält selten lange. Veränderung, die aus deinem Kern wächst, wird zu dir.

Was das praktisch heißt

Wenn ich mit einer Geschäftsführerin arbeite, die ihre Klarheit verloren hat, ist meine erste Aufgabe nicht, ihr eine neue Methode zu zeigen. Sie hat schon viele Methoden gelernt. Meine Aufgabe ist, mit ihr den Kern wieder freizulegen: Warum bist du Geschäftsführerin geworden? Was hat dich angetrieben, bevor du in der Tretmühle warst? Was ist dein eigentliches Material?

Erst wenn das wieder klar ist, kann die nächste Schale entstehen. Vielleicht ist das eine veränderte Rolle. Vielleicht ein anderes Geschäftsmodell. Vielleicht eine bessere Art, mit ihrem Team umzugehen. Aber sie baut sie aus ihrem eigenen Material — nicht aus einem Lehrbuch.

Wachstum hat eine Geschwindigkeit

Und noch etwas: Reverse Matruschka heißt auch, dass Wachstum nicht in einer Coaching-Taktung passiert, die man von außen vorgibt. Es passiert in deiner Geschwindigkeit. Die nächste Schale entsteht, wenn sie entstehen kann — nicht wenn der Coach das im Kalender stehen hat.

Manche Klienten kommen ein halbes Jahr alle drei Wochen, andere viel sporadischer. Manche brauchen eine Phase intensiver Arbeit, dann lange Pause. Das ist okay. Substanz wächst nicht auf Knopfdruck.

Was es nicht ist

Reverse Matruschka ist keine Methode in dem Sinne, dass es ein Phasenmodell wäre, ein Werkzeugkasten oder ein Zertifikat. Es ist eine Haltung. Eine Grundannahme darüber, wie Menschen sich entwickeln.

Und sie schließt einige Coaching-Stile aus, die ich nicht teile: das mechanische „Wir arbeiten jetzt an deinen Schwächen”. Das therapeutische „Wir gehen zurück in die Kindheit”. Das esoterische „Du musst dich nur deinem höheren Selbst öffnen”. Das Boot-Camp „Komm aus deiner Komfortzone, sonst wird das nichts”.

Stattdessen: konkrete Arbeit am konkreten Kern, mit konkreten nächsten Schalen. Klartext, eigene Position, in deiner Geschwindigkeit.

Für wen das passt

Reverse Matruschka funktioniert mit Menschen, die ihren Kern grundsätzlich akzeptieren. Die nicht weglaufen wollen, sondern weiterwachsen. Die zehn Jahre Erfahrung nicht als Ballast sehen, sondern als Substanz. Die auch Lust haben, sich herauszufordern — aber nicht aus Selbstkasteiung, sondern aus Neugier.

Wenn dich das beschreibt, sollten wir sprechen.


Geschrieben von Johst Klems. Wenn dich Wachstum, Substanz oder eines dieser Themen umtreibt — schreib mir.