Clubhouse

FOMO – Fear of missing out.

Die Welt entwickelt sich schnell. Längst sind Innovationen positiv aufgeladen.

Selbstfahrende Autos, das neue Update mit mehr Funktionen, faltbare Telefone, neuartige Impfstoffe mit „Technologie“.

„Neu“ ist in vielerlei Hinsicht ein Wert, unabhängig von der Substanz dahinter.

Werfen wir einen Blick auf Start Ups: Milliarden werden investiert, um sich jetzt schon die möglichen Erfolge der Zukunft zu sichern.

Es geht um Schnelligkeit darum, Erste/r zu sein und Chancen zu nutzen, wenn sie entstehen.

Schlussendlich muss man gar nicht so weit in die Zukunft blicken.

Auch die Modeindustrie arbeitet seit Jahren mit immer schneller wechselnden Kollektionen.

„Metallic“ geht nicht mehr, jetzt trägt man „Pastell“.

 

An vielen Stellen treibt das Bestreben der Menschen die Welt in mehr Konsum.

Das hat viele Vorteile, denn dadurch haben wir Menschen Arbeit, verdienen Geld, werden satt, haben ein warmes Zuhause – sofern der Konsum und die Erlöse nicht einseitig geschehen. Aber das ist ein anderes Thema.

 

„Ich darf nichts verpassen, denn sonst gehöre ich nicht dazu. Zumindest fühlt es sich so an“.

Was wir konsumieren, was wir tragen, welches Smartphone wir haben, sagt etwas über uns aus.

Produkte und Handlungen übertragen sich auf die Wahrnehmung unserer Person.

Das finden die einen nicht weiter wichtig, andere dagegen finden das sehr wichtig.

Soweit so gut.

Was heißt das für das Marketing?

Die Herausforderung des Marketing ist eigentlich ziemlich leicht auf den Punkt zu bringen: „Schaffe es möglichst viele Menschen von deinem Produkt zu überzeugen, sodass sie es kaufen“.

Na klar, es gibt Feinheiten, aber nach meiner Erfahrung sind 98 % der Marketingherausforderungen damit beschrieben.

Setzt voraus, dass man Kanäle nutzt, die mir Zugang zu vielen Menschen ermöglicht und das ich eine Botschaft bzw. eine Art meiner Botschaft finde, die die Menschen von meinem Produkt überzeugt.

Wenn diese durchaus alte Grundlage auf die menschliche Psyche der Verantwortlichen im Marketing trifft, geschehen seltsame Dinge.

Scheinbar setzt bei vielen Menschen – egal ob privat oder in beruflicher Funktion – das rationale Denken aus, wenn Gefahr droht, bei den Entwicklungen, die das morgen darstellen könnten, nicht dabei zu sein.

Würden Sie in einem Kanal werben, wo maximal 5.000 Menschen zu erreichen sind?

Diese Menschen sind meistens aus der eigenen Branche und interessieren sich mehr fürs „Senden“ als fürs „Konsumieren“.

Es gibt keine Möglichkeit, ein Logo zu zeigen.

Rechtlich ist das Portal sowohl hinsichtlich Datenschutz als auch hinsichtlich Gleichberechtigung höchst kritisierbar. 

Würden Sie dort werben?

Vermutlich nicht.

Sind Sie verantwortlich für Kommunikation und haben in den letzten Tagen darüber nachgedacht, mit ihrer Marke aktiv auf Clubhouse zu werden?

Da sind wir beim Thema.

Marketing ist an vielen Stellen ziemlich sachlich.

Ja, es braucht auch Emotionen, Leidenschaft und Energie.

Diese Tugenden werden dann wichtig, wenn die Strategie steht und die strategischen Fragen geklärt sind.

Allerdings muss die Strategie die Grundlage sein und da gehört FOMO nicht hin.

Aus meiner Sicht ist es sehr teuer, sich von außen in Marketingaktivitäten treiben zu lassen.

Wir haben in den letzten zwei Wochen sicher 15-20 Gespräche mit Verantwortlichen geführt, die jetzt und sofort einen Clubhouse-Talk für ihre Marke wollen.

Meine erste Frage: Warum? Was ist das Ziel?

Imagetransfer! Zeigen, dass wir am Puls der Zeit sind!

Wem den? Max. 5.000 Leuten aus der Marketingabteilung? Wobei man dabei noch Gefahr läuft, in die Kritik zu geraten, die mit Clubhouse einhergeht.

Ich verstehe, dass jede Person die aus der Marketingbranche kommt, jede Chance nutzt, um in unserem Haifischbecken aufzufallen.

So viele Experten:innen habe ich noch nie auf einem Haufen gesehen wie auf Clubhouse.

Viele haben mich beeindruckt, der größte Teil hat den Titel CEO, Experte:in, Entrepreneur:in nicht verdient.

Aber auch das ist eine andere Geschichte.

Fakt ist. Für sehr, sehr viele Marken ist Clubhouse – Stand 05.02.2021 – kein effektiver Kanal, um Kommunikation zu betreiben.

Fakt ist auch: Die Zeit, die verwendet wird, um sich darüber Gedanken zu machen, ist teuer. Denn andere Kanäle und Maßnahmen finden in der Zeit keinen Fokus.

FOMO ist menschlich, Business ist menschlich.

Das macht es allerdings nicht weniger irrational.

Schmück dich mit meinen Federn, ich wäre dir dankbar.

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Johst Klems ist Geschäftsführer der earnesto GmbH in Düsseldorf, die sich als Unternehmensberater für die Zukunft der Kommunikation versteht und macht dabei mehr als Social Media, PR oder Influencermarketing.