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#2 Where focus goes, energy flows -2018

War das ein Jahr? Einmal umgedreht und es war Sommer. Noch einmal umgedreht und ich habe die ersten Spekulatius im Supermarkt gekauft – im August übrigens, falls ich mich nicht täusche. Und nun stehen wir kurz vor der 18. Das 21. Jahrhundert wird also endlich volljährig! Alles in diesem Jahr verging gefühlt rasend schnell, viel schneller als sonst. Fakt ist: 2017 war so individuell wie Bockwürstchen. Dieselben 365 Tage wie immer. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Auch die Tage hatten 24 Stunden.

Alles war eigentlich so, wie sonst auch. Aber eben doch irgendwie anders.

Zeitfresser Nummer 1: Stress

Blicke ich auf das Jahr zurück, habe ich noch nie so oft das Wort „Stress“ gehört. „Ich hab´ gerade so einen Stress“ hier, „lass dich nicht stressen“ da. Das Thema war allgegenwärtig. Dies mag an meiner selektiven Wahrnehmung liegen, vielleicht aber auch daran, dass die Menschen da draußen tatsächlich mehr Stress empfinden. Waghalsig wie ich am Ende des Jahres bin, stelle ich die kühne These auf, dass derjenige der das Wort „Stress“ besonders oft benutzt hat, das Jahr gleichzeitig als extrem kurz empfunden hat. Sozusagen eine Korrelation, ein direkter Zusammenhang aus empfundenem Stress und damit schwindender Zeitwahrnehmung. Stress raubt uns also Zeit und sicher ist „Stress“ ein Füllwort für ein individuell empfundenes Gefühl, aber am Ende ist es für mich ein anderes Wort für „Getriebenheit“.

Wie gut ist gut genug?

Getriebenheit ist für mich die Definition von „ich muss reagieren und entscheide mich nicht mehr selbst“. Auslöser können eine E-Mail, eine Whatsapp-, Facebook- oder Instagram-Message etc. sein, die dringend beantwortet werden müssen. Das Gefühl der Getriebenheit kann aber auch schlichtweg durch gesellschaftlichen Druck und damit die oftmals unrealistisch gesetzten Ansprüche an sich selbst erzeugt werden: Sei´ fit, dynamisch und „healthy“. Ernähre Dich gut, am besten vegan. Zieh´ Dich stylisch an. Sei´ erfolgreich („Erfolg“ und „reich“ sind hier übrigens wörtlich zu nehmen), bleib´ aber trotzdem noch immer entspannt, cool und lässig… Sonst liked dich nämlich niemand auf Instagram! Habe ich witzig schon erwähnt? Witzig musst Du auch sein! Ach ja, falls Du eine frischgebackene Mutter bist: Nach drei Wochen solltest Du Deinen After-Baby-Body schon deutlich in Richtung „Waschbrettbauch“ gebracht haben! Alles andere ist echt Durchschnitt. Und dass Du dabei bloß Deine Karriere nicht aus den Augen verlierst! Versteht sich ja von selbst…

Digital Detox – Goals?!

Etwa 55 Whatsapp-Nachrichten verfasst der Deutsche am Tag. Rund 20 Minuten nutzen wir Facebook im Schnitt. Für Instagram gibt es bislang keine validen Zahlen. Der Straßentest bei den 15- bis 30-Jährigen lässt die Vermutung zu, dass es eher 90 Minuten als 60 Minuten sein werden. Nahezu jeder hat ein Smartphone mit Internetzugang. Senden, Empfangen. Senden, Empfangen. Senden, Empfangen.

Und dann immer diese roten Zahlen an den Apps die dich anschreien. „Hier Kollege! Ich hab noch eine Mail für dich! Könnte ja wichtig sein! Willst du die echt unbearbeitet lassen, nur weil du gerade im Kino bist? Du Looser! Überleg´ lieber nochmal! Geht ja auch ganz schnell…“ Die moderne Technik stellt moderne Ansprüche an uns Menschen. Sie fordert und beeinflusst stark unsere Wahrnehmung der Welt. Wir füllen unseren Kopf mit Erwartungshaltungen, To-dos und illusorischen Benchmarks und scheitern oftmals an der Realität. Bewusstsein für die Dinge ist Mangelware. Reagieren statt bewusst agieren.

Where focus goes energy flows

Wer die Zeit wieder voll und intensiv wahrnehmen möchte, sollte darüber nachdenken, was das Gegenteil von Stress ist. Für mich ist es: Entspannung. Nichts tun. Einfach mal ein paar Minuten nur bei sich sein. Wer mich kennt, weiß, dass dies hier keine Kritik am technischen Fortschritt ist. Die Technik ist unschuldig. Sie ist nur das, was wir aus ihr machen und wenn wir das Maß verlieren, gibt es nur eine einzige Person, die etwas dafür kann – und die bist Du selbst. Im Durchschnitt verschwenden wir am Tag zu viel Zeit für Blödsinn und rauben uns selbst die Zeit. Wir packen die Tage voll und voller mit Dingen, die keinen Bestand in der Zukunft haben und merken es nicht einmal. Schlussendlich stehen wir da und sagen: „Das Jahr ist aber schnell vorbeigegangen!“

Das Einzige, was aber tatsächlich in diesem Jahr zu schnell war, ist unser Fokus, der von einem Thema zum anderen huschte und viel zu wenig zur Ruhe kam um Situationen zu leben, wahrzunehmen.

Liebes neues Jahr 2018, ich wünsche mir von Dir, dass ich genau an dieser Fähigkeit arbeiten werde. Mehr Aufmerksamkeit auf Dinge die es wirklich wert sind. Mehr Disziplin, sich nicht treiben zu lassen. Mehr Zeit, um Momente bewusst zu leben und sie nicht einfach nur totzuschlagen.

Euch allen wünsche ich einen tollen Start in das neue Jahr! Entspannt Euch und legt ruhig mal das Handy zur Seite… Auf dem iPad ist es sowieso viel schöner, zu surfen;)

High Five – Euer Johst

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